Zwölf Monate bis zur Endlichkeit

Freiwillig - unfreiwillig

Sechs Jahre mit Crystal Meth

 

Buch erschienen im Telescope Verlag im März 2016


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06. September 2013 – damals schrieb ich die ersten Sätze nieder. Es reiften Gedanken, Patrics Weg für andere als Mahnung öffentlich zu machen. Doch nicht nur Patrics Weg, sondern auch unsere Zeit als Eltern wollte ich festhalten. Zwölf Monate begleitete uns täglich Crystal Meth. Eine Droge, von der wir bis zum Bekanntwerden der Suchtabhängigkeit unseres Sohnes noch nie etwas gehört hatten.

Illegale Drogen – keine Erscheinung der jetzigen Gesellschaft. Suchtmittel zum Herunterkommen, zum Aufputschen, zum Vergessen, zum Fröhlichsein hat es schon immer gegeben, nur die Gefährlichkeit für Körper und Psyche hat sich geändert. So auch mit Crystal Meth. Der Weg vom scheinbar schillernden Leben bis zum Verfall oder auch bis zur Resignation kann nur einige Monate dauern, allerdings auch viele Jahre.

Diese synthetische Droge wird erst Freund - dann Feind. Crystal Meth bestimmt dein Leben und wird zum Mittelpunkt deiner Handlungen. Es zerstört dich auf Raten. Die körperlichen und psychischen Defizite werden wahrgenommen.

Bei Patric war nach 5 Jahren Crystal Meth Konsum der Tiefpunkt erreicht. Ereignisse am 15. Mai 2012 wurden zum Auslöser dafür, dass unser Sohn den Weg aus der Sucht gehen wollte. Es begann für Patric ein Kampf gegen die Crystal-Folgen. Doch Crystal Meth ließ so einfach nicht locker. Im Laufe der nächsten Monate spürten wir einen langsamen Regenerationsprozess. Der körperliche Zustand erholte sich, die Selbstsicherheit kam zurück, der Ordnungssinn normalisierte sich wieder, die Aggressivität verlor sich, die Merkfähigkeit und Konzentration stabilisierten sich, die Psychosen verschwanden.   

Wir als Eltern erfuhren in dieser Zeit eine hohe familiäre Belastung. Das unbedingte Bedürfnis, Patric helfen zu wollen, die damit verbundenen Gegenreaktionen von ihm, die richtige Bewertung der jeweiligen Situation, unsere Stellung zur Suchtabhängigkeit unseres Sohnes gegenüber Dritten, das damit verbundene Schamgefühl, der Umgang mit Rückfällen, das Verstehen der Verhaltensweisen von Patric und der damit entstandenen neuen Lebenssituation, unsere Angst und Unsicherheit – all diese Erfahrungen mussten wir richtig einordnen.

 

Wir versuchten, die Suchtabhängigkeit von Crystal Meth zu begreifen, die viele Parallelen zu anderen Suchtverläufen aufzeigt und doch so anders ist.

 

 

 

 


 

 

 

Von Patric aufgenommene Motive